Glas wird zur sichtbaren Warnung
Glas Marte hat ein Vogelschutzglas entwickelt, das Schutzwirkung, Transparenz und Gestaltungsfreiheit vereint. Die partielle GM LIGHT CHROME®-Beschichtung erzeugt deutliche Kontraste im sichtbaren sowie im für Menschen unsichtbaren UV-Bereich. Der UV-Reflexionsgrad beträgt 34,87 % auf beschichteten Flächen, gegenüber 4,69 % auf unbeschichteten Flächen. Auch die Werte im sichtbaren Bereich sind mit positiv geprüften Vogelschutzgläsern vergleichbar.
Die Technologie wurde bereits bei zahlreichen anspruchsvollen Projekten erfolgreich eingesetzt, darunter beim Festspielhaus Bregenz, beim Kasino des Waffenplatzes Frauenfeld und beim Seekarhaus im Natur- und Europaschutzgebiet Obertauern–Hundsfeldmoor. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach stellte das Projekt Frauenfeld in der Ausgabe 2020/6 von „Vogelfreundliches Bauen mit Glas” als vorbildliche Umsetzung vor. Muster werden derzeit beim American Bird Conservancy (ABC) im Flugtunnel geprüft, Ergebnisse liegen noch nicht vor.
Ein zweites, zum Patent angemeldetes Exponat untersucht, ob unterschiedliche Größen, Dornenformen, Drehstellungen und Positionen zusätzlich ein räumlich wirkendes Gefahrenfeld erzeugen. Anhaltspunkte aus der Wissenschaft liefern Cavoto und Cook (2006) zur monokularen Tiefenwahrnehmung bei Tauben, Eckmeier et al. (2008/2013) zur Bewegungsparallaxe bei Zebrafinken sowie Endler et al. (2010) zur Größen-Distanz-Anordnung bei Laubenvögeln. Ob diese Mechanismen den Kollisionsschutz weiter erhöhen, ist offen und Gegenstand weiterer Forschung.
Gebrauchstauglichkeit: Sicherheit über die gesamte Nutzungsdauer
Bei diesem Versuch wird ein Ganzglasgeländer zyklisch mit 1 kN/m an der oberen Glaskante belastet. Nach jeder Entlastung muss das System zuverlässig in seine Ausgangsposition zurückkehren. Gute Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass ihre maßgeblichen Eigenschaften nicht nur bei der Erstprüfung, sondern über die gesamte Nutzungsdauer hinweg erhalten bleiben.
Bereits bei der Montage können durch Keile, Klemmungen und Profilverformungen zusätzliche Spannungszustände entstehen, die als Installation Fixation Load Case (IFL) – Montagelastfall bezeichnet werden. Während der Nutzung wirken Tausende von Lastwechseln, Kriechen und Relaxation sowie Alterung und Versprödung von Gummi- und Kunststoffteilen ein. Temperatur, UV-Strahlung, Wasser, Eis, Frost-Tau-Wechsel, Staub, Sand, Korneintrag und Biofilm können die Klemmung, die Reibung und das Rückstellverhalten zusätzlich verändern.
Dadurch können sich Vorspannung, Kontaktbedingungen und letztlich das statische System verändern, ohne dass es zu einem unmittelbaren Glasbruch kommt. Die Tragfähigkeit im Neuzustand allein ist daher kein vollständiger Nachweis der langfristigen Gebrauchstauglichkeit.
Unser Impuls für mehr Sicherheit: Für alle, denen Sicherheit mit Glas ein Anliegen ist, müssen Rückstellfähigkeit, zyklische Belastung und Montagelastfall sowie Alterung und Umwelteinflüsse Bestandteil einer umfassenden Systemprüfung sein. Denn entscheidend ist, dass die Systemeigenschaften auch im realen Gebrauch dauerhaft erhalten bleiben – für langfristig sichere Glasgeländer.